Lotbezeichnung aktiviert; Auswirkung von Halogenen

Alle Fragen zu Standdardlegierungen. Bitte keine Bleifreie Legierungen - All questions about standard alloys - no lead free alloys please

Moderatoren: Werner Kruppa, Fabian Marchi, Gudrun Bangert

Gesperrt
Ronald Hitzler

Lotbezeichnung aktiviert; Auswirkung von Halogenen

Beitrag von Ronald Hitzler » Mi Mai 03, 2006 8:44 am

Guten Morgen!

Ich habe eine Frage zu den im Produktkatalog verwendeten Begriffen:

a) Was ist der Unterschied zwischen einem schwach und einem stark aktivierten Lot bzw. was bedeutet "aktiviert" in diesem Zusammenhang? Ich dachte immer, dass sich das auf die Halogenanteile bezieht - aber zB das HF34 ist halogenfrei aber hochaktiv??? :roll:

b) Welche Aufgabe haben Halogene im Lot?

Vielen Dank fuer Ihre Hilfe!

RH

Jens Gruse
Beiträge: 166
Registriert: Sa Jun 26, 2004 1:58 am
Kontaktdaten:

Beitrag von Jens Gruse » Fr Mai 05, 2006 1:31 pm

Guten Tag Herr Hitzler!

Hochaktiviert bedeutet, dass im Flussmittel des Lötdrahtes entweder ein großer Anteil Halogene (1-1,5%) oder ein großer Anteil an Dicarbonsäuren (als halogenfreier Aktivator) vorhanden ist.
Generell kann man sagen, das ein Draht, der mehr Säuren als Harze enthält, stark aktiviert ist, und damit eine bessere Beizwirkung (=Entfernung der störenden Oxide) aufweist. Das Lot breitet sich bei der Füllung HF34 besser aus als bei dem HF32, da dieser wesentlich mehr Harz und weniger Säuren enthält.
Halogene haben die gleiche Aufgabe wie Dicarbonsäuren, sie entfernen die störenden Oxide von der zu lötenden Oberfläche, damit eine Bildung einer intermetallischen Phase stattfinden kann. Da Halogene aber wesentlich effizienter arbeiten als die schwachen Carbonsäuren, sind sie auch in wesentlich geringeren Mengen in der Regel "aktiver" (bessere Entfernung von Oxiden).

Letztendlich ist es egal womit ich die Oxide entferne, nur muss ich sicher stellen, dass die Rückstände auf der Lötstelle unter Betriebsbedingungen keine Korrosion verursachen. Dafür gibt es verschiedene Testmethoden, wie z.B. elektrolytische Korrosionswirkung, Oberflächenisolationswiderstandsmessung , Kupferspiegeltest usw. Diese Tests geben eine Aussage über die Wirkung der Rückstände und ob ich das Flussmittel als "No-Clean" einstufen kann oder nicht.
Freundliche Grüße

Jens Gruse
Anwendungstechnik
STANNOL GmbH & Co.KG
-----------------------

Gesperrt